Direktbus zur Protestwanderung nach Davos gegen das Weltwirtschaftsforum 2026

Projektverlauf und Einbettung

Im Januar 2026 fand zum vierten Mal in Folge eine gemeinsame Anreise aus Deutschland zur Protestwanderung von StrikeWEF gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos statt. StrikeWEF ist ein Kollektiv und Teil der Schweizer Klimagerechtigkeitsbewegung, deren Ziel die Abschaffung des WEF ist. Neben einer Bildungsreise mit umfangreichem Rahmenprogramm wurde – wie bereits im Vorjahr – ein Direktbus organisiert, der sich gezielt an erfahrenere Aktivist*innen richtete, die weniger Vorbereitung benötigten, aber Teil der gemeinsamen Anreise und der Protestwanderung sein wollten. Die Förderung durch die Stiftung Care for Future ermöglichte es, diesen Direktbus erneut durch den Solibus e.V. anzubieten und so weitere 50 Personen an der Protestwanderung zu beteiligen. Der Solibus ist eine Gruppe, die ehrenamtlich mit ihren Bussen Aktivist*innen zu Protesten fahren bzw. ihre Busse auch in Protesten einsetzen.

Mit mehreren Vorbereitungstreffen im Vorfeld startete der Direktbus am 16. Januar 2026 in Berlin und nahm auf der Route über Halle/Leipzig, Nürnberg und Memmingen weitere Teilnehmende auf. Ziel war eine Unterkunft in der Schweiz, wo die Gruppe auf die parallel organisierte Bildungsreise traf. Die gemeinsame Unterkunft schuf bereits vor Beginn der Protestwanderung Raum für Austausch, Vernetzung und letzte Aktionsvorbereitungen.

Am 17. Januar begann die zweitägige Protestwanderung von StrikeWEF, die am 18. Januar in Davos endete. Mit bis zu 600 Teilnehmenden war sie die größte Protestwanderung gegen das WEF der vergangenen Jahre. Die Wanderung wurde von internationalen Medien begleitet und setzte dem von Wachstums- und Profitlogik geprägten Narrativ des Weltwirtschaftsforums ein deutliches Gegennarrativ der globalen Solidarität und Gerechtigkeit entgegen, das in der Berichterstattung vielfach aufgegriffen wurde. Neben der Abschlusskundgebung in Davos fanden entlang der Strecke kleinere Aktionen statt. Nach der Ankunft kehrten die Teilnehmenden zur Unterkunft zurück und traten am 19. Januar die gemeinsame Rückreise an. Ein abschließendes Feedback- und Reflexionstreffen fand am 5. Februar 2026 statt.

Beitrag zum Bewegungsaufbau und zur Vernetzung

Der Direktbus trug konkret dazu bei, 50 zusätzliche Personen zur Protestwanderung zu bringen und damit die Sichtbarkeit des Protests deutlich zu erhöhen. Darüber hinaus erwies sich die Form der gemeinsamen, mehrtägigen Reise als wichtiger Raum für Vernetzung und informellen Austausch. Insbesondere der gemeinsame Weg während der Wanderung bot Zeit und Gelegenheit für Gespräche, Skillsharing und gegenseitiges Kennenlernen. Viele Teilnehmende berichteten, dass gerade diese niedrigschwelligen, nicht durchgetakteten Momente den Aufbau von Beziehungen erleichterten.

Insbesondere die Durchmischung von Teilnehmenden des Direktbusses mit denen der Bildungsreise war schön. Die Verbindung von erfahreneren Aktivist*innen mit Menschen, die über die Bildungsreise erstmals an einer solchen Aktion teilnahmen, führte zu einem gegenseitigen Lernen und stärkte das Gefühl, Teil einer größeren, vielfältigen Bewegung zu sein. Auch die Vernetzung zwischen deutschen und schweizerischen Aktivist*innen wurde durch die Wanderung intensiviert.

Globale Perspektiven und solidarischer Austausch

Ein zentrales Element des gemeinsamen Protests war die Beteiligung von Aktivist*innen aus dem Globalen Süden. An der Reise nahmen Massa vom westafrikanischen Bewegungsnetzwerk für Land- und Wasserrechte (CGLTE-OA) sowie Mthulisi und Koketso aus Südafrika teil. Der Austausch mit ihnen wurde von vielen Teilnehmenden als besonders bereichernd und verbindend erlebt.

Durch ihre Perspektiven wurden Themen sichtbar, die im Globalen Norden häufig in den Hintergrund treten, etwa Fragen von Land- und Wasserrechten, kolonialen Kontinuitäten und politischer Repression. Dies prägte such die Pressearbeit der Protestierenden. Gleichzeitig entstand ein gegenseitiger Lernprozess: Während die Teilnehmenden aus Deutschland Einblicke in Organisierungs- und Protestformen in anderen Regionen erhielten, nahmen Massa, Koketso und Mthulisi auch Erfahrungen aus den hiesigen Protest- und Vernetzungsformen mit.

Massa legte einen besonderen Fokus auf das Weltsozialforum 2026 in Benin, das er mitorganisiert. Dadurch wurde der Kontrast zwischen dem exklusiven, wirtschaftsdominierten Weltwirtschaftsforum und solidarischen, basisnahen Gegenentwürfen nochmals greifbarer. Das Feedback zeigte: Viele Teilnehmende nahmen aus der Reise mit, wie zentral globaler Austausch und globale Solidarität für klimagerechte Bewegungen sind – nicht als abstraktes Ziel, sondern als konkret erfahrbare Praxis.

Care-Arbeit als gelebter Bestandteil der Reise

Ein weiteres Anliegen war es, Care-Arbeit nicht als unsichtbare Voraussetzung, sondern als integralen Bestandteil politischer Aktion zu begreifen – und so auch das Gemeinschafts-gefühl zu stärken. Bereits in den vorbereitenden Treffen wurden Arbeitsgruppen gebildet, um Care-Aufgaben zu verteilen und sichtbar zu machen. Während der Reise beteiligten sich alle Teilnehmenden am Kochen, Aufräumen, Awareness und organisatorischen Aufgaben.

Gleichzeitig zeigte sich, dass eine kompakte Reise mit engem Zeitplan und hoher emotionaler und körperlicher Belastung für einige Teilnehmende herausfordernd war. Insbesondere Menschen mit erhöhtem Ruhebedürfnis gerieten immer wieder in Spannungen mit Personen, die Austausch, Diskussion oder lautstarken Protest suchten. Hier eine gute Balance zu finden, ist Aufgabe für das nächste Jahr.

Foto 1: Protestwanderung am zweiten Tag

Foto 2: Massa während einer Rede

Foto 3: Küche in der Unterkunft

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