Städtetour der DFG-VK zur Kriegsdienstverweigerung durch Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern 2026

In Zeiten der weltweiten Kriege und der zunehmenden Militarisierung in Deutschland hat die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) gemeinsam mit der Stiftung „Care for Future“ 2026 eine KDV-Tour quer durch die Republik gestartet. Mit ihrem vier Meter hohen aufblasbaren Gewehr (einer Anlehnung an ihr Logo), Transparenten, Fahnen, einer Sarg-Attrappe („Hier drin kann deine Karriere bei der Bundeswehr enden“), Unterschriftenlisten, Musik und jeder Menge Informationsmaterial macht sie auf Straßen und Plätzen, vor Schulen und am Rande von Großereignissen auf friedliche Alternativen zur Lösung internationaler Konflikte aufmerksam, wirbt und informiert für/über Kriegsdienstverweigerung – ein Menschenrecht, von dem viele gar nicht wissen, dass es existiert – und bietet ihre besondere Kompetenz in der Beratung von Verweiger*innen an.

KDV Tour 3
Foto 1: KDV Tourstop in Wismar

Besonders viele Orte wurden in den Bundesländern Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern angefahren. Fast 20 Städte standen auf dem Programm: in Baden-Württemberg im Juni Aalen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Ludwigsburg, Tübingen, Mannheim, Offenburg, Freiburg und Lörrach, in Mecklenburg-Vorpommern in drei Etappen (April, Juni, August) Waren (Müritz), Wismar, Schwerin, Greifswald, Stralsund, Bergen auf Rügen, Neustrelitz, Neubrandenburg, Laage und Rostock.

Das Gewehr, die Pavillons und der einschlägig beschriftete DFG-VK-Transporter (unser „Friedensmobil & KDV-Mobil“) waren schon Blickfang genug. An den meisten Orten kamen aber auch Menschen gezielt auf die Informationsstände zu. Und das waren nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, insbesondere 18-jährige, die gerade ihre Fragebögen zur Wehrerfassung ausfüllen müssen, sondern auch Soldatinnen und Soldaten, Reservistinnen und Reservisten, Menschen jeden Alters bis hin zu Großeltern, die die aktuelle Kriegsgefahr sensibel wahrnehmen und Angst um ihre Enkelkinder haben. In Aalen, Ludwigsburg, Freiburg und Bergen auf Rügen gelang es, sich vor Schulen zu platzieren, in Tübingen konnten Besucherinnen und Besucher eines Festivals aufmerksam gemacht und sogar in Form eines Workshops ausführlich über Möglichkeiten der Kriegsdienstverweigerung informiert werden, in Mannheim setzte die Tour den nötigen Kontrapunkt zum „Veteranentag“ der Bundeswehr, in Offenburg war sie beim Sommerfest gegen Wehrpflicht dabei. Immer sorgten die Aktionen auch an belebten Orten im Zentrum der Städte für Aufmerksamkeit. Einige Gespräche werden länger im Gedächtnis bleiben: die mit einem alten Herrn, der erzählte, wie er als Kind noch Nazi-Aufmärsche erlebte, oder mit internationalen Kriegsdienstverweigerern, die mit viel Glück in Deutschland Zuflucht gefunden haben. Leider war auch zu erleben, dass die „mentale Mobilisierung“ schon weiträumig Platz gegriffen hat: Den Spruch „Macht die Aktion doch mal auf dem Roten Platz, dann werdet ihr schon sehen!“ haben wir mehr als einmal gehört. Der weitaus überwiegende Teil der Gespräche verlief aber in Ruhe und geprägt von gegenseitigem Interesse und Respekt.

KDV Tour 2
Foto 2: Gespräche am Aktionsstand

Hilfreich auf dieser Tour war auch die Bündnisarbeit mit unseren Friedensfreund*innen anderer Organisationen. In Tübingen unterstützte die Informationsstelle Militarisierung die Tour, in vielen anderen Städten wurden wir von lokalen Friedensinitiativen und einzelnen Friedensaktivist*innen unterstützt. Bei Menschen in kleineren Orten in Mecklenburg-Vorpommern war Dankbarkeit dafür zu spüren, dass auch bei ihnen einmal eine Friedensaktion stattfand. Dass die Kontakte zu Friedensbewegten vor Ort bei der Begleitung der Aktionen gut funktionierten, zeigt aber auch, dass noch nicht alles Potenzial dafür ausgeschöpft ist. Oft sind das Einzelkämpfer*innen, die aber in solchen Fällen schnell zur Stelle sind, Werbung machen, eigene Materialien mitbringen und so weiter. Nicht wenige Menschen, mit denen wir sprachen, zeigten Interesse daran, sich weiter zu vernetzen. Auch für die Aktiven der KDV-Städtetour war es daher ein fortdauerndes Lernen und Sich-gegenseitig-Bestärken, über den einzelnen gelungenen Tag vor Ort hinaus. In genau dieser Weise konnte die Tour auch die erste Aktion einer neu gegründeten DFG-VK-Gruppe, Mecklenburgische Seenplatte, initiieren und eindrucksvoll auf eine neu eingerichtete KDV-Beratungsstelle hinweisen.

Unterschiedlich war der Umgang der Versammlungsbehörden mit der Aktion an verschiedenen Orten. Während die meisten Bescheide routinemäßig und ohne Probleme ergingen, wurden sie in einigen Fällen bis kurz vor der Aktion hinausgezögert und ihre Umsetzung von den Beamtinnen und Beamten vor Ort noch dazu eigenwillig interpretiert. So durfte in einem Fall der Sarg nicht ausgeladen werden, weil er in der Anmeldung nicht ausdrücklich erwähnt war (er wurde dann innerhalb des Transporters nahe an die offene Heckklappe gerückt und auch dort von Passantinnen und Passanten fotografiert).

KDV Tour 1
Foto 3: Ballon im Sommerhimmel

Ganz andere Hindernisse hielt das Wetter bereit: Im Juni war es sowohl im Süden als auch im Norden außergewöhnlich heiß. Dadurch kamen an manchen Tagen weniger Menschen zu unserer Aktion, als es möglich gewesen wäre, und auch die physischen Möglichkeiten der Aktiven wurden naturgemäß etwas eingeschränkt. Allerdings ließ sich niemand davon ernsthaft bremsen – es wurde alles getan, was irgend machbar war. Außer, man musste vor den Naturgewalten kapitulieren: In Stralsund herrschten am Hafen solche Böen, dass das Equipment in Gefahr geriet, zerstört zu werden; diese Aktion musste abgebrochen werden.  

Erfreulich war, dass auch die gute Pressearbeit der Aktiven vor Ort Früchte trug. Viele Artikel und andere Beiträge über unsere Aktionen zur Information über das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung erschienen in den lokalen Zeitungen und Radios. Ganz besonders danken wir Franz Grundschöttel, unserem unermüdlichen Fahrer! Jeden Tag an einem anderen Ort, Kilometer fressen auf Landstraßen und Autobahnen, schwere und sperrige Sachen täglich mit ein- und auspacken und manchmal wochenlang fern von zu Hause sein – das ist eine Leistung, die Hochachtung verdient.

Die KDV-Infotour 2026 durch Ba-Wü und MV ist vorbei. Die Beratungsarbeit geht weiter. Die vielen Gespräche, die positive Resonanz, die neuen Kontakte und die große mediale Aufmerksamkeit haben gezeigt, dass eine solche Tour dringend gebraucht wird.

Die Rückmeldungen entlang der Strecke machen Mut. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise deshalb nicht nur, wie viele Menschen wir erreicht haben, sondern auch, wie viele Menschen sich eine Fortsetzung wünschen.

Die Resonanz auf die KDV-Tour 2026 ruft geradezu nach einer KDV-Tour 2027. Was noch zu sagen wäre: Danke! Danke an alle, die diese wichtige Tour für eine friedlichere Welt möglich gemacht haben.

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